
SoVioGi

Horst Eckert

Carl-Wilhelm Bienefeld
Schicksalspfad - ein gestern, für ein morgen
(Hrsg. Carl-Wilhelm Bienefeld, Dr. jur. Frederick Krüll, Daniel Wienold, Kaarst 2025)

Dr. jur. Frederick Krüll, Carl-Wilhelm Bienefeld, Sylvia Löhrmann, Daniel Wienold

"Wachrütteln für ein Unreht, was Menschen widerfahren ist, nie wieder geschehen darf und Zukunft gestaltlen ohne Diskriminierung und Antisemitismus, das müssen unsere Ziele sein. Wir sind alle Menschen einer Welt und haben nur diese eine Welt für uns alle." (Nadine Graber)
Wenn dein Nachbar in Düsseldorf arbeitet, wird es gefährlich – so jedenfalls für den Landarzt Dr. Winfried Selbiger in Büttgen während der Nazi-Zeit. Denn sein jüdischer Vater Ernst war in Düsseldorf als Inhaber der Apotheke am Rathausplatz wohlbekannt, und so wurde er selbst im Dorf rasch als „Halb-Jude“ identifiziert.
Das jüngst erschienene Buch „Schicksalspfad“ möchte einen Beitrag zur örtlichen Erinnerungskultur im Düsseldorfer Umland leisten, anknüpfend an die beiden Schulprojekte zur Verlegung des Büttger „Stolpersteins“ für Dr. Winfried Selbiger und zur Beschilderung des ehemaligen „Jüddepatts“ von Glehn nach Büttgen. Durch das Brennglas der Lokalgeschichte offenbart dieses Buch, wie perfide eine menschenverachtende Ideologie ihr Unrecht ins Werk zu setzen vermag.
Gegen den gut situierten Düsseldorfer Apotheker Ernst Selbiger kamen die Angriffe der Nazis schleichend: Auflage zur Verpachtung der Apotheke, verpflichtender Verkauf der Apotheke zu schlechten Bedingungen, Einfrieren der Vermögenswerte, Stigmatisierung in der Öffentlichkeit, Deportation und Ermordung. Auf dem Land war die Ächtung des neu zugezogenen Praxisgründers Dr. Winfried Selbiger leichter möglich: Die Gestapo verhängte gegen ihn kurzerhand ein Betretungsverbot für seinen Wohn- und Praxisort Büttgen, das ihn zur raschen Auswanderung nach Tansania zwang. Nach dem Krieg auf die Düsseldorfer Luegallee zurückgekehrt, rieb sich Dr. Winfried Selbiger im juristischen Kampf um eine finanzielle Entschädigung auf, als ein vom erlittenen Unrecht offenbar verbogener, gebrochener Mann.
Aus der Geschichte zu lernen und daraus Impulse für eine menschenfreundliche Zukunft zu gewinnen – zu beidem animiert das Buch „Schicksalspfad“. Es versammelt Beiträge der unterschiedlichsten Autoren und Künstler, von jungen Schülerinnen bis zu prominenten Landes- und Bundespolitikern, von diversen Religionsvertretern bis zu den Bürgermeistern von Düsseldorf, Kaarst und Korschenbroich. Das Buch umfasst 328 Seiten, mit zahlreichen Abbildungen, im Hardcover gebunden, für 18 Euro. Der Verkaufspreis ist rein kostendeckend kalkuliert; etwaige Überschüsse erhält der Förderverein der Emmy-Noether-Gesamtschule Kaarst für etwaige Folgeprojekte.
(Dr. Frederick Krüll)



